Informationen für Patienten zu Botulinumtoxin (Botox)

Autor: PD Dr. med. R.J. Weinel

Botulinumtoxin: Herkunft und Wirkung

Botulinumtoxin ist ein Nervengift, welches zu einer schlaffen Muskellähmung führt. Die Neurotoxine werden von verschiedenen Stämmen der Bakterienspezies Clostridium botulinum, Clostridium butyricum, Clostridium baratii sowie Clostridium argentinense gebildet und ausgeschieden.

Die Übertragung vom Nerv auf den Muskel an der neuromuskulären Endplatte wird durch die Blockierung der Acetylcholinfreisetzung irreversibel verhindert. Die Wirkung hält ungefähr 2–3 Monate an.

Am Ort der Injektion kann sich das Botulinumtoxin sphärisch mit einem Radius von etwa 1–2 cm im Gewebe ausbreiten. Zur Behandlung der Analfissur oder vor einer Operation wird das Toxin in den Spalt zwischen innerem und äußerem Schließmuskel injiziert. Es unterbindet damit die Tonisierung des inneren Schließmuskels durch sympathische Nervenreize und verursacht so eine Senkung des analen Ruhedrucks.

Zusätzlich wird die Möglichkeit des äußeren Schließmuskels, sich zusammenzuziehen/anzuspannen, in dem Bereich, in dem Botox wirkt, herabgesetzt. Dies führt zu einer Senkung des analen Kneifdrucks oder zu einer Unterbrechung des postoperativ auftretenden Reflexes Schmerz – Muskelanspannung – mehr Schmerz.

Eingesetzt wird Botulinumtoxin Typ A.

Therapieerfolg von Botulinumtoxin

Die Angaben bezüglich des Therapieerfolgs nach Botulinumtoxin-Injektion bei Analfissuren schwan-ken zwischen 30 % und 96 %. Insgesamt findet sich in einer Metaanalyse ein etwas höherer Therapieerfolg als nach Therapie mit lokal aufgebrachten chemischen Sphinkterrelaxanzien (62,6 % statt 58,6 % Heilung). Die Anzahl an unerwünschten Nebenwirkungen ist deutlich kleiner als nach Nitratcremes und auch kleiner als nach Kalziumkanalblockern.

Wird vor einer Operation am After (z.B. Hämorrhoiden-, Analfistel-, Analfissur-OP) Botulinum-toxin in den Schließmuskel/Beckenboden einge-spritzt, so sind nach den vorliegenden Studien die Schmerzen der Patienten in den ersten Tagen nach der Operation geringer als nach der post-operativen Behandlung ohne Botulinumtoxin.

Viele wissenschaftliche Untersuchungen belegen den Nutzen von Botulinumtoxin zur Behandlung der Analfissur und zur Verminderung der Schmerzen nach Enddarmoperationen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wir injizieren nur eine geringe Menge, sodass die Restkraft des Muskels ausreicht, um die Kontinenz (Dichtigkeit des Afters) zu sichern. In wenigen Fällen (<5 %) kommt es zu einer vorübergehenden leichtgradigen Inkontinenz. Systemische Nebenwirkungen sind bei der geringen Dosis unwahrscheinlich, da das Präparat sich nicht im Körper verteilt. Einflüsse auf innere Organe hat das Medikament nicht. In seltenen Fällen kann durch das Medikament – wie durch jede Eiweißverbindung – eine allergische Reaktion ausgelöst werden. Sehr selten können diese Reaktionen auch lebensbedrohlich sein (anaphylaktischer Schock).

Einsatz bei Analfissur

Bei Ihnen wurde eine Analfissur festgestellt. Es handelt sich hierbei um einen Einriss der Haut im Bereich des Analkanals. Durch den Schmerz und die Entzündung kommt es zu einer Verkrampfung des Schließmuskels, dies wiederum behindert die Abheilung der Fissur.

Im ersten Schritt werden nitrathaltige Cremes eingesetzt, die lokal die Durchblutung fördern und den Tonus des inneren Schließmuskels senken. Kommt es hierunter nicht zur Abheilung, kann die Fissur in einer kleinen Operation in örtlicher Betäubung „herausgeschnitten" werden. Der Schließmuskel wird hierbei nicht beeinträchtigt. Aus einer kleinen, narbig veränderten, nicht heilenden Wunde machen wir eine etwas größere Wunde ohne Narben, die bessere Chancen zur Heilung hat.

Alternativ kann eine Injektion von Botulinumtoxin in den Schließmuskel erfolgen. Dies führt dazu, dass die Muskulatur für einige Wochen geschwächt wird. In dieser Zeit einer leichten Muskellähmung kann die Fissur abheilen.

Injektion von Botulinumtoxin in den Musculus sphincter ani externus (äußerer Afterschließmuskel) bei einer Analfissur oder vor einer Operation.

Einsatz vor proktologischer Operation

Bei Ihnen ist eine Operation am Anus geplant. Die Auskleidung des Analkanals (Anoderm) ist das schmerzempfindlichste Gewebe Ihres Körpers. Entsprechend sind die Wunden nach Operationen am/im Analkanal in den ersten 2 Wochen postoperativ schmerzhafter als die Wunden nach den meisten anderen Operationen. Sie erhalten von uns eine Anleitung, welche Schmerzmittel Sie verwenden und wie Sie die Wunde pflegen sollen.

Wenn man ca. 3–5 Tage vor der Operation zusätzlich Botulinumtoxin in den Schließmuskel injiziert (zusätzlich zu den von mir verordneten Schmerzmitteln), sind die Schmerzen nach der Operation meist deutlich geringer als ohne die Botoxbehandlung. Grund hierfür ist, dass Botox den Kreislauf aus Schmerz – Muskelanspannung von Schließmuskel und Beckenboden – mehr Schmerz unterbricht.

Kosten

Die Kosten für das Medikament (ca. 120–150 €) müssen wir Ihnen in Rechnung stellen. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten i. d. R. Bei gesetzlich versicherten Patienten empfehlen wir, die Kostenübernahme für das Medikament durch Ihre Krankenkasse unter Hinweis auf diese Broschüre und das auf unserer Internetseite hierzu erhältliche Infomaterial zu beantragen.

Downloads

Falls Sie die Kostenübernahme über ihre Krankenkasse beantragen wollen, reichen Sie die nachfolgende Literaturliste sowie die Info-Broschüre zu Botulinumtoxin zur Begründung ein.